Chinesische Mauer

Entstehung der chinesischen Mauer – die Zeit der Streitenden Reiche

Ähnlich wie Europa war China im 5. Jahrhundert vor Christus nicht einmal annähernd in seiner heutigen Form vorhanden. Stattdessen gab es viele kleine Reiche, die sich untereinander bekriegten. Deswegen entstanden an verschiedenen Stellen Lehmmauern, die zum Schutz gegen die Nachbarreiche gedacht waren. Zur besseren Haltbarkeit wurden diese Mauerabschnitte mit Stroh- und Reisigschichten ausgestattet – in dieser Form sind sie heute nicht mehr erhalten. Zum Schutzwall wurde der erste Mauerabschnitt, der 214 v. Chr. nach der Expansion des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi über den Gelben Fluss, denn ab diesem Zeitpunkt musste er sich gegen nomadische Reitervölker aus dem Norden schützen. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits stabilere Natursteinplatten aufeinander geschichtet.

Ausbau der Mauer

Die einzelnen Mauerabschnitte waren schon bald zusammengewachsen und schützten das Kaiserreich effektiv vor kriegerischen Völkern an seinen Grenzen. Durch diesen Schutz wagten die Chinesen es in der Jin-Dynastie im 12. und 13. Jahrhundert immer wieder, auch bis in die Mongolei vorzudringen. Erst in der Ming-Dynastie bekam die Mauer ihre heutige Form – 1493 wurde sie weiter ausgebaut und gleichzeitig mit etwa 300.000 chinesischen Soldaten besetzt, die das Kaiserreich gegen die Mongolen an der Grenze schützen sollten. Gebaut wurde die Mauer nun entlang der Berge, die ihr eine natürliche Form vorgaben. Diese Bauweise war allerdings teuer, da die Mauer dadurch besondere Baueigenschaften aufweisen musste. Zum Einsatz kamen nun teils gebrannte Steine, teils auch Natursteine, die von einem Mörtel aus gebranntem Kalk zusammengehalten wurden. Füllungen aus Sand, Schotter oder Lehm ließen eine Zyklopenmauer entstehen, wie sie beispielsweise auch in den südlichen Teilen Europas gefunden werden kann. Diese Bauweise verlieh der Mauer immer bessere Stabilität und machte sie zu einem leistungsstarken Schutzwall gegen kriegerische Reitervölker.

Besonderheiten des Baus

Die chinesische Mauer war keinesfalls ein einheitliches Bauprojekt. Sie entstand aus der Furcht vieler chinesischer Staaten heraus, vom Nachbar angegriffen zu werden – später motivierte die Angst vor den nomadischen Völkern an den Grenzen des Kaiserreichs dazu, die Mauer immer weiter auszubauen und sie zu verstärken. Daraus entstand das heutige Bauwerk: Das Schutzsystem ist an jeder Stelle gleich, obwohl es sich durch kulturelle Kreise zieht, die sich teilweise stark voneinander unterscheiden, und doch weist jeder Abschnitt gewisse regionale Besonderheiten auf. Dies zeigt sich beispielsweise an den Maßen der Mauer, die überall unterschiedlich sein können. Auch die Wachtürme, die in geringen Abständen in die Mauer integriert waren, können aufgrund der regionalgeographischen Besonderheiten nicht überall gleich hoch gewesen sein. Da sich die Mauer teilweise durch gebirgige Regionen, teils aber auch zur Küste hin oder durch die Wüste zieht, gilt sie gleichzeitig als architektonisches Wunderwerk, denn ihr Bau musste auf die jeweiligen regionalen Baubedingungen abgestimmt sein und sich dennoch zu einer Einheit verbinden lassen.